Das Bundesgerichtsurteil zur Integrität
Das Bundesgericht hat in einem richtungsweisenden Entscheid festgehalten: Bei Berufen mit direkter Finanzverantwortung — insbesondere Buchhaltern, Treuhändern, Kassierern und Controllern — muss die Integrität des Mitarbeitenden im Zeugnis explizit bestätigt werden. Das Fehlen dieser Aussage wird von erfahrenen HR-Fachleuten als klares Warnsignal interpretiert: Hier gab es offenbar Anlass, die Ehrlichkeit nicht zu bestätigen.
Warum ist das besonders gravierend?
Bei normalen Stellen (Marketing, IT, Assistenz) ist das Fehlen einer Integritätsklausel unrelevant — sie wird schlicht nicht erwartet. Bei Finanzberufen ist es anders: HR-Abteilungen, die Buchhalter einstellen, wissen genau, dass ein tadelloses Finanzzeugnis die Integrität erwähnt. Fehlt sie, entsteht sofort ein Verdacht — auch wenn das ursprüngliche Zeugnis keinerlei negativen Satz enthält.
Welche Berufe sind betroffen?
Die Pflicht zur Integritätserwähnung gilt immer dann, wenn eine direkte und regelmässige Verantwortung über Finanzen oder hochsensible Daten besteht:
- Buchhalter und Buchhalterinnen aller Stufen
- Treuhänder und Steuerberater
- Kassierer und Kassiererinnen mit eigenständiger Kassenverantwortung
- Controller und CFOs
- HR-Leitende mit Zugriff auf vertrauliche Personaldaten
- Bankberater und Wealth Manager
Wie muss die Integritätsklausel formuliert sein?
Eine korrekte Formulierung könnte lauten: «Wir schätzten seine/ihre Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit stets sehr.» oder «[Name] zeichnete sich durch absolute Integrität und einen tadellosen Umgang mit vertraulichen Informationen aus.» Entscheidend ist, dass die Aussage explizit, positiv und nicht interpretierbar ist.
Was tun, wenn die Integrität fehlt?
Sie haben Anspruch auf Ergänzung. Ein schriftliches Korrekturbegehren mit Verweis auf die Bundesgerichtspraxis ist der erste Schritt. Weigert sich der Arbeitgeber, ist das ein klagbarer Anspruch vor dem Arbeitsgericht. Das Fehlen der Integritätsklausel bei einem Finanzberuf gilt als derart schwerwiegend, dass Gerichte in der Regel zugunsten des Arbeitnehmers entscheiden.